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15. Dezember 2020

Adventskalender am 15. Dezember

SEHT AUF .. UND ERHEBT EURE HÄUPTER!

Meine Frau und ich haben uns vor ein paar Jahren in der Adventszeit einer ganz besonderen Herausforderung gestellt. Während andere Menschen für Mutproben einen Bungee-Jump buchen, sich zum Dschungelcamp anmelden oder einen Marathon laufen, sind auch wir an unsere ganz persönlichen Grenzen gegangen: Wir haben uns in einem evangelischen Kloster zu einem Schweigewochenende angemeldet.

Geglaubt hat uns das keiner, und da es auch kein Zertifikat gab, ringen wir heute noch um Glaubwürdigkeit, wenn wir davon erzählen. Und um ganz ehrlich zu sein: Wir haben auch nicht das gesamte Wochenende geschwiegen. Es gab immer nur Einheiten, in denen nicht gesprochen wurde, und während der wortlosen Essenszeiten tauschten wir mithilfe der servierten Rohkost geheime Botschaften auf unseren Tellern aus.

Eine Übung während der meditativen Einheiten hat mich ganz besonders bewegt. Die anleitende Klosterschwester las uns Lukas 21,28 vor: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Mit diesem Satz im Herzen hatten wir nun die Aufgabe, uns Kronen auf unseren Häuptern vorzustellen, die wir als Königskinder trugen. Im Hintergrund lief leise Musik und wir gingen mit unseren imaginären Kronen auf dem Kopf durch den Raum. Aber Achtung! Leicht war das nicht! Im Gegenteil: Es war richtig schwer, die richtige Haltung einzunehmen – damit die Krone auch ja nicht verrutschte und vom Kopf fiel. Doch es war erstaunlich, wie das Wissen um die königlich-würdevolle Auszeichnung auf unserem Kopf doch plötzlich unsere Haltung veränderte. Das erinnert mich an den Spruch auf einer Postkarte, die ich einmal geschenkt bekommen habe: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen …“

Ja, das macht Königskinder aus. Wir Menschen dürfen hinfallen, aber wir bleiben Königskinder und brauchen keine Angst davor zu haben, ausgeschlossen zu werden. Wenn Jesus im Neuen Testament von Buße spricht, dann steht im Griechischen Original das Wort metanoia, von meta – „um“ oder „nach“ – und noein – „denken“ –, wörtlich übersetzt also etwa „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.

Aber auch in dem Sinne, dass man etwas auf einer höheren Ebene betrachtet. „Denkt höher von Gott!“, ruft Jesus den Menschen also zu, wenn er zur Umkehr aufruft. Irenäus von Lyon hat bereits im Jahr 120 nach Christus einen sehr bedeutenden Satz gesagt: „Die Herrlichkeit Gottes ist der aufrecht gehende (der nach oben blickende) Mensch.“

Es ist ein großes Lebensgeschenk, wenn wir uns von Gott aufrichten und unsere Würde zusprechen lassen. Jesus ist eben nicht in diese Welt gekommen, um uns hinzurichten, sondern um uns aufzurichten. So macht uns der Heiland heil. Aufgerichtet darf ein Mensch dann auch aufrecht und aufrichtig durchs Leben gehen.

Vor einigen Jahren tourte ich mit meinem Programm „Heimat“ durchs Land. In diesem Programm gebe ich den Konzertbesuchern einen kleinen Einblick in meine persönliche Biografie, zu der auch meine etwas spannende Schulzeit voller Streiche und interessanter Lehrerbegegnungen gehört. Fast nach jedem Konzert, bei dem ich dieses Programm spielte, kamen Mütter mit jugendlichen Kindern auf mich zu und bedankten sich, dass ich ihnen mit diesem Einblick Mut für ihr eigenes Muttersein gemacht hätte.

Vor Kurzem sprach mich eine Mutter nach einem Konzert an und erzählte, wie diese biografischen Einblicke vor einigen Jahren ihr schwieriges Verhältnis zu ihrem Sohn verändert hatten. Sie war sich sicher, wenn aus mir etwas einigermaßen Vernünftiges geworden war, dann würde ihr Sohn vielleicht auch irgendwann einmal seinen Weg gehen. Die Erkenntnis brachte sie zum Umdenken, und sie beschloss, ab diesem Tag jetzt schon das Gute und Schöne aus ihrem Sohn „herauszulieben“ und sich nicht immer nur auf die Probleme und Schwierigkeiten zu konzentrieren. Bewegt erzählte sie mir, dass diese Entscheidung nicht nur das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn maßgeblich beeinflusste, sondern auch die gesunde Entwicklung des Jugendlichen in der Schule und in seinen Freundeskreisen.

Gestehen wir uns und anderen auch die Veränderung zum Guten zu? Halten wir unsere Mitmenschen durch unsere Festlegungen und Aussagen über sie gewissermaßen in Ketten? Oder befreien wir die Menschen um uns herum, indem wir das Gute in ihnen „herauslieben“ und sie zum aufrechten, mutigen und mündigen Leben befähigen?

Andi Weiss

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

14. Dezember 2020

Adventskalender am 14. Dezember

Jesaja 65,17-25
Mit dieser prophetischen Vorschau läßt uns Gott durch Jesaja nicht im Unklaren, was in der Zukunft auf die wartet, die an Jesus Christus glauben. In den Versen 17-19 geht es um die Erschaffung der neuen Erde und Himmel. Die Verse 20-25 handeln von dem Leben im Tausendjährigen Reich. Ich werde mir für den heutigen Impuls den Vers 17 rauspicken.

17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

Ich glaube, wir werden es nie in Worte fassen können, wie herrlich diese neue Schöpfung sein wird, wie das alles, und wie schnell das alles passieren wird. Die jetzige Welt ist für mich schon so wunderschön gemacht, und versetzt mich, wenn ich sie betrachte, einfach nur ins Staunen! Obwohl, wie die Bibel sagt, wir in einer gefallenen Schöpfung leben. Durch die Sünde ist einiges nicht so, wie es von Anfang an gedacht war. Und von dieser Schöpfung heißt es, dass sie komplett vergehen wird
und etwas komplett Neues geschaffen wird. (V17a)

Das Wort schaffen heißt im Hebräischen bara. Genau dieses „bara“ finden wir auch in 1. Mose 1 und es bedeutet, dass etwas ganz Neues aus dem Nichts heraus geschaffen wird, allein durch sein Wort. Und das muss so herrlich sein, dass man nicht etwa der alten Erde hinterherweinen wird, sondern dass man noch nicht einmal mehr an sie denken wird!

In Offenbarung 21 erhalten wir einen Einblick über diese in Worten nicht zu beschreibende Herrlichkeit. Mir fällt hier der Vers 1.Kor. 2,9 ein: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Mund gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die IHN lieben.“
Der Vers steht vielleicht in einem anderen Kontext, ich finde aber, dass er sehr treffend umschreibt, was Gott für uns geplant hat.

Eine neue Schöpfung. Ein neuer Himmel und eine neue Erde. Nix, wir reparieren mal das Alte, die war doch noch gut!… Nein! In 2. Petrus 3,10 steht: „…dann werden die Himmel zergehen mit grossem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.“ Und Vers 13: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheissung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Das Alte muss komplett vernichtet werden, damit das Neue kommen kann. Man kann nicht sagen, wie herrlich es werden wird, aber man kann sagen, warum es herrlich werden wird, weil die Herrlichkeit in Person, Gott selbst, regiert.

Off.21,3-4 „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; …. denn das Erste ist vergangen.“

Off.22,5 „Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Im Blick auf diese Zukunft stelle ich mir die Frage: Kann das, oder besser gesagt muss das nicht mein Leben im Jetzt, im Heute so motivieren, dass Freude und Frieden mein Leben auf den Kopf stellen. Freu ich mich auf den Himmel und auf Jesus, oder denke ich lieber nicht so genau darüber nach. Hab ich den Schatz im Acker gefunden (besser gesagt: er mich)? Oder denke ich eher so „ na, wenn das mal gut geht….“? Prägt mich der Blick zum Ziel, oder lähmt mich das Festhalten am Vergangenen und am Jetzt?
Egal, wo Du derzeit stehst, welche Lebensumstände, welche Zweifel und Fragen du gerade hast, Jesus steht mit offenen Armen vor Dir und sagt dir zu: „Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Offenbarung 21,6

Die Ressource, um von Furcht und Last zu Freude und Kraft zu gelangen, liegt an und in meiner täglichen Beziehung und persönlichen Gemeinschaft mit Jesus. Wir feiern jetzt in einigen Tagen die Geburt unseres Retters und Erlösers Jesus Christus. In ihm ist die Gnade Gottes Mensch geworden. Durch ihn und sein Werk, sind alle Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ein für allemal getilgt worden. Er hat uns den Weg zum Vaterherz Gottes freigemacht, weil er uns, dich und mich gerne in seiner Gegenwart haben möchte. Bei ihm alleine liegen ein perfekter individueller Plan und Erfüllung unseres Lebens bereit, für jeden noch werdenden neuen Tag bis in alle Ewigkeit.

„Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des lebendigen Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Johannes 4,14

Ein Begegnen mit dem, dessen Herzensanliegen es ist, der Regisseur in meinem Leben zu sein, und mich durch seine Gnade zu dem zu machen, wie ich von Ihm gedacht bin. Gott ist nicht nur ein Gott für Feiertage, sondern er liebt es, in Arbeitskleidung an unserem Leben im Alltag voll anzupacken. Und das brauche ich, jede Sekunde! Ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Dirk Bieler

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

13. Dezember 2020

Adventskalender am 13. Dezember

„Gebet bewegt – die Gemeinschaft“

Beten ist das Atmen der Seele.

Wir atmen Gottes Wort, das Werk des Heiligen Geistes ein und atmen alle negativen Gedanken und Lügen aus. Wie es unser Körper natürlicher Weise tut. Wir atmen frischen Sauerstoff ein und Giftstoffe, die sich in unseren Lungen angesammelt haben, wieder aus.

Dieser Stoffwechselvorgang wird in Philipper 4,6-7 beschrieben:

„Sorget euch um nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Nicht alle unsere Wünsche werden erfüllt, aber der Friede Gottes bewahrt unser Denken und Wollen. Wir sind geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus.

Jeden Gedanken, der sich gegen Gott auflehnt, nehme ich gefangen und unterstelle ihn dem Befehl von Jesus Christus.

2. Korinther 10,5: „Wir zerstören Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und nehmen gefangen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus.“

Meditation wollen wir mit dem Regler eines Fernglases vergleichen. Es dauert einen Moment bis wir den Fokus so eingestellt haben, dass wir durch das Fernglas ein scharfes Bild sehen können, das unser Objekt vergrößert.
Regelmäßige Bibelmeditation ist das einzige Mittel gegen Stress, Angst oder Entmutigung. Nur so können wir dauerhaft im Frieden bleiben. Wir meditieren nicht eine Blume, oder die Bibel, sondern Gegenstand unserer Meditation ist die Person „Jesus“, von der die Bibel berichtet.

Jesu Name leuchtet helle und sein Glanz vergeht nicht.
Jesu Name bringt der Seele selbst in tiefster Nacht ein Licht.
Mag auch einst die Welt versinken, mag vergehn der Sonne schein:
Jesu Nam‘ wird weiter klingen, unvergänglich wird er sein.
(David Welander)

Kriemhild Schroth

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

12. Dezember 2020

Adventskalender am 12. Dezember

„O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.“
(EKG 1,V.3)

Krankenhausaufenthalt in Corona-Zeiten

Viel zu lange und über Jahre habe ich diese OP vor mir hergeschoben und es ging mir nicht gut dabei. Durch einige medizinische Notfallsituationen habe ich mich endlich durchgerungen und der Termin wurde für den September vereinbart. Mein Mann musste mich im Foyer des Klinikums abliefern, wir konnten noch miteinander beten und dann musste er gehen. Ich saß da mit meiner großen Tasche und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Um mich her war ein hektisches Treiben und in mir kreisten die Gedanken, was kommt auf mich zu, werde ich die OP überleben. Aber dann war in mir die Gewissheit, Jesus du bist da, du bist mein Halt, dir befehle ich jetzt alles an was kommt, ich vertraue dir.

Ich wurde aufgerufen, alles ging seinen Gang, verschiedene Voruntersuchungen, mit Jesu Hilfe kann ich ganz ruhig sein. Ich kam in ein Zweibettzimmer, packte meine Bibel aus und mein Notizbuch und las darin. Meine Zimmernachbarin beobachtete mich und fragte mich nach meiner Lektüre. So konnte ich ihr erzählen, was das Wort Gottes für mich bedeutet. Sie selber war begeistert von einem Buch über Budda. Im Laufe unseres Gesprächs wurde sie neugierig und sie wollte sich die Losungen besorgen. Am nächsten Tag konnte ich ganz ruhig und mit innerem Frieden in die OP gehen und habe erlebt, dass Gott überall seine Leute hat, der freundliche Narkosearzt, die nette Krankenschwester und der kompetente Chirurg. Die OP ist gut und erfolgreich verlaufen und ich bin nach zwei Tagen Wachstation dann noch in ein Einzelzimmer gekommen.

Mein Mann konnte mich in den neun Tagen Klinikaufenthalt nur einmal für eine Stunde besuchen. Aber im Alleinsein war ich dennoch geborgen in Gottes Hand. Für mich war die Verbindung mit Jesus eine so große Hilfe. Ich konnte mit ihm reden, sein Wort lesen, und bin durch diese Tage und Nächte hindurch getragen worden.

Unser auferstandener Herr ist mit uns alle Tage bis an der Welt Ende, das verspricht er uns in seinem Wort. Sein Licht strahlt in der Dunkelheit und wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten.

„Ich will meine Hand nicht von dir abtun und dich nie im Stich lassen. Also dürfen wir voll Zuversicht sagen. Der Herr ist mein Helfer, darum will ich mich nicht fürchten. Was kann mir ein Mensch anhaben?“ (Hebr. 13,5b.6)

Das war in meinem ganzen Leben und auch in dieser Situation meine Erfahrung, er kann uns durch alle Not hindurch bringen, wenn wir ihm alleine vertrauen.

Bärbel Jahreiß

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

11. Dezember 2020

Adventskalender am 11. Dezember

Wake up child
It’s your time to shine
You were born for such a time as this.
(The Anthem, Jesus Culture)

Zufällig habe ich diesen Liedvers gehört und seitdem geht mir besonders eine Zeile nicht mehr aus dem Kopf. Alles dreht sich seit Monaten nur noch um das Thema CORONA. Ich weiß nicht, welche Gefühle es bei dir auslöst: Angst, Wut, Hoffnungslosigkeit, Unverständnis oder Ratlosigkeit? Bei mir wechselt es ganz oft. Und dann kam dieses Lied…

Wake up child (Wach auf mein Kind)
„Du bist berufen, Gutes zu tun“
Jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum ausgerechnet ich? Ich habe auch Angst, ich weiß nicht, was morgen kommt, ich kann und möchte diese endlosen Diskussionen über Corona nicht mehr hören…“ Auch wenn sich solche Gedanken immer wieder in deinen Kopf schleichen, lass uns kurz über einen Gedanken nachdenken: Vielleicht ist genau jetzt die Zeit, in der Jesus dich ganz sanft wach rüttelt und dir ins Ohr flüstert: „Hey, aufwachen, verändere die Welt, mit mir an deiner Seite schaffst du es. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Sei du das Licht, das die Welt gerade so sehr braucht.“ Vielleicht ist genau jetzt die Zeit, mit ganz kleinen Schritten aus deiner Komfortzone herauszukommen?

It’s your time to shine (Jetzt ist deine Zeit, ein Licht zu sein)
In diesen verrückten Zeiten ist es wichtig, im Hier und Jetzt zu leben. Lass jeden Tag mit allen seinen Herausforderungen zu deinem persönlichen Geschenk werden. Versuche dankbar zu leben, um zum Licht für andere zu werden. Jesus ist es, der durch dich leuchten will. Du kannst mit seiner Hilfe zum Hoffnungslicht in dieser verzweifelten Welt werden.

You were born for such a time as this (Genau für diese Zeiten gibt es Menschen wie dich)
Jesus will uns gebrauchen in dieser Zeit. Lass dir von IHM jeden Tag aufs Neue Kraft geben, die Welt im Kleinen verändern, werde DU zum Hoffnungsträger für andere. Verlass dich auf den, der größer ist als jede Pandemie. Schau auf Jesus und leg ihm alles hin, was dir Sorge macht und dir schwer auf dem Herzen liegt. Öffne du ihm jeden Tag dieser Corona-Zeit neu die Tür und lade ihn zu dir ein. Denn DU – genau DU – kannst in dieser beängstigenden Welt den Unterschied machen. Jesus will dich gebrauchen.

Und wie funktioniert das?

  • Schenke einem entmutigten Menschen neuen Mut für den Alltag.
  • Habe ein offenes Ohr für die Ängste und Nöte der Menschen in deinem Umfeld.
  • Überlege gemeinsam mit deiner Familie, was euch durch die Zeit des Lockdowns tragen kann. Sind es gemeinsame Gebete, vielleicht ein Lied, das euch nicht mehr aus dem Ohr geht, ein Spaziergang Hand in Hand?
  • Habe ein dankbares Herz und lebe deine Dankbarkeit in dieser Welt aus.
  • Teile deine Angst auch mal mit anderen, das ist völlig in Ordnung.
  • Jesus wird sich kümmern, da bin ich mir sicher.

Caro Hartung

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

10. Dezember 2020

Adventskalender am 10. Dezember

Tag der Menschenrechte

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den Internationalen Tag der Menschenrechte (Human Rights Day) für heute ausgerufen. Seit 1948 wird an diesem Tag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedacht.

Menschenrechte – so selbstverständlich ist das alles gar nicht, wie wir manchmal denken und bei uns dankenswerter Weise erleben dürfen. Ansonsten zählen diese Grundrechte in vielen Ländern der Welt kaum. Wir könnten diesen Tag also nutzen, um – gemäß 1. Tim 2, 2 – für die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft zu beten – nicht nur bei uns. Und wir können angesichts dieses internationalen Gedenktages überlegen, was wir tun können, um anderen Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen und ihnen Heimat zu geben. Dabei denke ich nicht nur an politische Flüchtlinge, die bei uns leben. Das können auch deutsche Arbeitskollegen sein – oder vielleicht sogar die eigenen Enkel?

Haben wir Menschen eigentlich ein Recht auf Heimat?
Ich habe in diesem Sommer intensiv an Themen zur Heimat gearbeitet. Mehrere Beiträge sind entstanden. Dabei ging es mir in einem Thema um die Flüchtlingsthematik, in einem anderen darum, dass Jesus Christus auch Heimatvertriebener war. Haben wir eigentlich ein Recht auf Heimat? Was denken Sie? Und was ist Heimat überhaupt?

Manchmal ist sie nur so klein wie das eigene Bett, in das man sich kuschelt und sich die Decke über den Kopf zieht, um wenigstens hier seine Ruhe zu haben. Heimat, die weltweit damit beginnt, dass Menschen sich ein Dach über dem Kopf suchen und bauen. Heimat, die viel mehr ist als nostalgische Erinnerung. Mehr als Mutterboden im Vaterland.

Es gibt so viele Heimatverständnisse, wie es Menschen auf Gottes Erde gibt. Und je schlechter es uns geht, desto mehr Heimatliebe oder Heimweh meldet sich in Kopf und Herz. Letztlich ist Heimat doch da, wo Gott mit uns angefangen hat, oder nicht? Ich wünsche jedem Menschen, dass er etwas hat, was Heimat bedeutet. Oder jemanden hat, der ihm Heimat gibt. Ein frisch Verliebter sagte ganz süß „Heimat ist für mich da, wo du bist“.

Der Apostel Paulus, für den Leben und Dienst absolut nicht einfach waren, weitet unsere Heimatperspektive in Phil 3,20 so: „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ (Luther u.a.). In anderen Übersetzungen, wie z.B. „Hoffnung für alle“, lesen wir: „Unser >Bürgerrecht< haben wir im Himmel. Von dort erwarten wir auch Jesus Christus, unseren Retter“.
Diese Himmlische Heimat ist kein Sahnehäubchen für unser irdisches Dasein, sondern sie ist der eigentliche Hauptgang! Bürgerrecht – und zwar international!

In 2 Wochen feiern wir Weihnachten. In mancherlei Hinsicht wird es anders ablaufen (müssen), als wir es gewohnt sind und gern haben. Aber die Botschaft ist – Gott sei Dank! – unverändert. Wir denken an Jesus Christus, der kam und noch einmal wiederkommen wird. Wir freuen uns auf den, der uns die neue Heimat beim Vater im Himmel vorbereitet.

Vielleicht sagen wir ihm heute, wie der frisch Verliebte: „Meine Heimat ist – auch hier und heute schon – da, wo du bist, mein Herr und Retter Jesus Christus. Ich habe dich lieb“.

Harald Petersen

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

9. Dezember 2020

Adventskalender am 9. Dezember

Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 1. Mose 1,3

Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben. 2. Korinther 4,6

Heute geht es um das Licht. Es gibt viele verschiedene Arten von Licht und unzählige Lichtquellen. Licht hat für jeden eine unterschiedliche Bedeutung. Was ist Licht also nun? Und um welches Licht geht es in den beiden Bibelstellen?

Wenn man Licht googelt, wird einem folgendes angezeigt: Li?cht Substantiv [das] 1. das Phänomen, das die Umgebung oder etwas hell macht und bewirkt, dass man Dinge sehen kann. „das Licht der Sonne“ Gegenteil: Dunkelheit. 2. das elektrisch erzeugte Licht1. „Das Licht anmachen/ausschalten.“ 3. Lampen, die leuchten. „die Lichter der Großstadt“

Licht ist also etwas, das uns hilft in der Dunkelheit zu sehen. Und um welches Licht geht es nun in den beiden Bibelstellen? Nun ja, der Satz: „Es werde Licht!“ aus der Schöpfungsgeschichte dürfte uns wohl allen bekannt sein. Ebenso auch seine Bedeutung, die Entstehung von Tag und Nacht, also auch Sonne und Mond. Es gibt Sonnen- und Mondlicht. Also eine ganz einfache Erklärung.

In dem zweiten Bibelvers wird es schon etwas schwieriger, weshalb ich mir erst einmal den Zusammenhang angesehen habe. In der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ klingt der Satz schon ein bisschen anders und auch verständlicher. Aus „Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben.“ wird nun: ‚Denn so wie Gott einmal befahl: »Licht soll aus der Dunkelheit hervorbrechen!«, so hat sein Licht auch unsere Herzen erhellt.‘
Und wenn man weiterliest, wird deutlicher darauf eingegangen, auf dieses Licht, das die Herzen erhellt. „Jetzt erkennen wir klar, dass uns in Jesus Christus Gottes Herrlichkeit entgegenstrahlt. Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst. Die Schwierigkeiten bedrängen uns von allen Seiten, und doch werden wir nicht von ihnen überwältigt. Wir sind oft ratlos, aber wir verzweifeln nicht.“

Ein paar Verse weiter fällt auch der Satz: „Wir haben Gottes Geist, der uns auf Gott vertrauen lässt.“ Deswegen kann man davon ausgehen, dass mit dem Licht im Herzen der heilige Geist gemeint ist.

Paulus sagt in Epheser 5,13-14: „Alles wird erkannt, sobald es dem Licht ausgesetzt wird, und was immer dem Licht ausgesetzt wird, wird selber zu Licht.“

Kann das bedeuten, dass schon eine kleine Menge an Glauben ausreicht, um selber ein Licht zu sein? Eine Lichtquelle, die in das Dunkel der Welt hineinscheint? Und das es egal ist, ob man eine Taschenlampe, ein Flutlicht, ein Lagerfeuer, ein Baustrahler, eine Fackel oder ein winzig kleiner Funken ist? Wo bist du Licht der Welt?

Wer möchte, kann zur Ergänzung noch eine kleine Geschichte nachlesen: https://www.aus-liebe-zu-gott.de/Licht-sein–.html

Hanna Schroth

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

8. Dezember 2020

Adventskalender am 8. Dezember

„Mache dich auf und werde licht!“

Nimmst du dir auch manchmal in der Adventszeit für einen abendlichen Spaziergang Zeit, um all die vielen, leuchtenden Lichter wahrzunehmen, die durch die Fenster funkeln?

Für mich ist das eine lang gehegte Leidenschaft. Und egal, an welchem Ort ich gelebt habe, überall konnte ich diesen besonderen Lichterschein entdecken, bei dem mir warm und wohlig ums Herz wird. Gepaart mit Weihnachtsliedern im Kopf oder auf den Lippen, von denen auch viele von Licht und vom Leuchten handeln, sind das für mich besondere Adventsmomente.

Der Kanon „Mache dich auf und werde licht“ wurde im Mai 2018 für mich nochmals besonders eindrücklich. Als ich mit meiner Familie beschlossen habe, nach Magdeburg zu ziehen, um dort mit dem Sunrise e.V. und der Villa Wertvoll Licht ins Dunkel zu bringen, wurde er ganz real. Und das außerhalb der Adventszeit. Im Entscheidungsprozess stellte ich mir, um im Bild zu bleiben, oft die Frage, ob mein Licht dafür groß genug, der Docht fest genug oder die Ausstrahlung warm genug ist. Jesus sagt dazu schlicht in Matthäus 5,14: „Ihr SEID das Licht der Welt!“ Nicht, ihr werdet erst noch das Licht der Welt sein, wenn… Nein. Du und ich, wir sind das Licht der Welt. ER will durch dich und mich in dieser Welt sein hoffnungsvolles Licht zum Leuchten bringen. Es gilt nur: mache dich auf!

Eine Geschichte, die mir hierzu nochmals ein Aha-Erlebnis geschenkt hat, ist die der kleinen Fackel. Bettina Becker hat sie in ihrem Buch „Herausspaziert“ niedergeschrieben. Ich wünsche dir, dass sie auch dir ein Licht aufgehen lässt.

Es war einmal eine kleine Fackel. Diese kleine Fackel hatte große Träume: Sie wollte gerne etwas Besonderes sein, groß sein, hell strahlen! Aber in Wirklichkeit war sie nur eine einfache kleine Fackel. Um sie herum war es immerzu dunkel und es roch muffig. Ganz selten kam mal jemand vorbei, ging aber rasch weiter. Nie blieb jemand stehen. Nie bewunderte sie jemand. Nie dankte ihr jemand. Es war, als sei sie überhaupt nicht da. Als ginge es nur darum, möglichst schnell weg von ihr zu kommen. Doch eines Tages kam eine gute Fee und verkündete ihr, sie habe einen Wunsch frei. Die kleine Fackel zögerte nicht lange: „Ich wünsche mir, eine große, elegante Fackel zu sein. Ich möchte im Thronsaal des Königs leuchten, direkt am Eingang!“ Und schwuppdiwupp verzauberte die gute Fee die kleine Fackel in eine große, elegante Fackel im Thronsaal des Königs. Wie glücklich und stolz war sie da! Um sie herum erstrahlte alles in wunderbarer Pracht und Schönheit. Endlich. Sie war etwas Besonderes! Sie gehörte zu etwas Großem. Und dann kam der große Moment: Die Prinzessin wurde im Thronsaal erwartet! Die kleine große Fackel freute sich – endlich konnte sie für die Königstochter persönlich leuchten. Ganz in ihrer Nähe. Sie den ganzen Abend bewundern und sie in ihrem Licht noch schöner aussehen lassen. Die Tür öffnete sich und herein kam die Prinzessin: Aber wie sah sie aus! Ganz dreckig war sie, das Kleid verschmutzt und an der Stirn blutete sie sogar! Die kleine Fackel erschrak: Was war passiert? Da hörte sie die Prinzessin sagen: „Auf dem Rückweg vom Stall bin ich durch das Kellergewölbe gegangen, als es plötzlich dunkel wurde. Ich bin gestolpert und habe mir den Kopf gestoßen. Jemand muss die kleine Fackel weggenommen haben, dabei war sie die Einzige, die mir dort unten den Weg erleuchtet hat.“

Jerrit Andersen

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

7. Dezember 2020

Adventskalender am 7. Dezember

Wir bauen gerade ein Haus!

Es kostet viel Kraft und hat uns schon viele Nerven geraubt. Überall Dreck und Staub. Immer wieder Entscheidungen und jede Menge Arbeit, die müde macht.

Unsere Große steht mitten im Chaos und sagt: „Mama, wollen wir nicht lieber in unserer Wohnung bleiben? Hier ist es mir wirklich zu schmutzig“. Ich muss schmunzeln, über ihre kindliche Vorstellung davon, wie wir im Haus leben werden.

Sie kann sich nicht vorstellen, dass es mal schön hier sein wird. Das der Dreck weg ist. Die Wände farbig gestrichen und ein frischer Blumenstrauß auf dem Tisch. Sie kann sich noch nicht vorstellen, wie wir hier leben und feiern werden und das der Dreck ein Ende haben wird. Und auch ich merke, dass es wichtig ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Vielleicht ist es in unserem Glaubensleben manchmal auch so. Gerade in schweren Zeiten wie diesen, in denen wir kämpfen mit dieser furchtbaren Pandemie, die viele so müde macht. In Momenten, in denen wir nur den Staub dieser Welt sehen. Wir vergessen, wer wir sind und was uns erwartet.

Wir sind Gottes geliebte Söhne und Töchter. In seiner Gegenwart dürfen wir leben und uns bergen. Er hilft uns unseren Blick zu heben zu ihm. Von ihm kommt alle Hilfe und Hoffnung auf einen neuen Morgen.
Am Ende dieser Zeit wird er kommen und alles neu machen.

Dann werden wir bei ihm zu Hause sein für alle Zeit. Dort wird kein Weinen mehr sein.
Lasst uns mutig und getrost Lichter sein in unserer Welt. Er, Jesus, will uns geben, was wir dafür brauchen! Und lasst uns das große Ziel nicht vor Augen verlieren: Menschen mitnehmen zum ewigen Zuhause bei Gott selbst.

Fragen zum Nachdenken:

• Welcher „Staub“ meines Alltags belastet mich gerade am meisten?
• An welchen Stellen bin ich mutlos geworden und sehe nur das Hier und Jetzt?

Dorothea Bronsema

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

6. Dezember 2020

Adventskalender am 6. Dezember

Die Geschichte von Varenka

Vor langer Zeit lebte in den weiten Wäldern Russlands eine Witwe. Sie hieß Varenka. Ihr kleines Haus stand tief in den Bäumen, wo selten jemand hinkam. Varenka hatte alles, was sie brauchte: einen Tisch, Stühle, Kästen für Brot und Käse und Geschirr.

Nachts schlief sie, wie alle einfachen Leute in Russland, auf dem warmen Ofen. Varenka lebte zufrieden in ihrem kleinen Haus. Doch eines Tages kamen Leute zu ihr. In großer Aufregung riefen sie: „Varenka, fliehe mit uns! Im Westen wütet ein schrecklicher Krieg. Die Soldaten kommen jeden Tag näher!“ Varenka erschrak. Aber dann sagte sie: „Wer wird die müden Wanderer stärken, wenn ich mit euch komme? Wer nimmt sich der Kinder an, die sich im Wald verirren? Und wer wird sich um die Tiere und Vögel kümmern, wenn der Winter kommt mit Eis und Schnee? Nein, ich muss bleiben!“ Da eilten die Leute weiter und Varenka blieb allein zurück.

Sie stand ganz still und lauschte. Als Varenka aus der Ferne das Donnern der Kanonen hörte, kniete sie nieder und bat Gott, um ihr Haus eine Mauer zu bauen. – Es wurde Abend. Die Kanonen verstummten und Friede lag über dem Wald. Aber Gott kam nicht, und niemand baute eine Mauer um Varenkas Haus.

Am nächsten Tag pochte Pjotr, der Ziegenhirt, an Varenkas Tür. Pjotr erzählte: „Die Soldaten haben meine Hütte niedergebrannt und mir alles genommen, außer dieser kleinen Ziege, die mit mir fliehen konnte. Bitte nimm uns in dein Haus, denn bald kommt die Nacht.“ Da nahm Varenka Pjotr und die kleine Ziege ins Haus. Der Kanonendonner war schon viel näher gekommen, und wieder betete Varenka zu Gott: „Bitte, komm schnell und baue eine Mauer um mein Haus, damit die Soldaten vorbeigehen und Pjotr, mich und die kleine Ziege nicht sehen werden!“

Aber die Nacht kam und ging, und Gott baute keine Mauer um Varenkas Haus. Früh am Morgen ging Varenka in den Wald, um Kräuter zu sammeln. Da entdeckte sie den jungen Maler Stjepan, der in einem hohlen Baum schlief. „Wach auf!“ rief Varenka. „Hier kannst du nicht bleiben! Hörst Du nicht die Kanonen donnern? Komm zu mir, ich werde Dir Essen und Obdach geben.“

Stjepan war vor den Soldaten in den Wald geflohen. Er trug nur ein Bild und ein Topf mit einer weißen Blume bei sich. Dies war alles, was ihm auf der Flucht geblieben war. So ging er mit Varenka nach Hause. Abends beteten alle zusammen und Varenka sagte: „Bitte, lieber Gott, komm schnell und baue eine Mauer um mein Haus!“ – Gegen Morgen schaute Varenka aus dem Fenster, aber keine Mauer stand um ihr Haus.

Statt dessen erblickte sie ein kleines Mädchen, das bitterlich weinte. In den Armen hielt sie eine Taube. „Ach“, schluchzte das Mädchen, „ich habe Vater und Mutter auf der Flucht verloren!“ Da nahm Varenka das Mädchen Bodula bei der Hand, führte sie ins Haus und gab ihr Kuchen und Tee. Draußen aber klang das Donnern der Kanonen näher und näher. In dieser Nacht beteten sie wieder alle und Varenka sagte: „Lieber Vater im Himmel, heute Nacht musst du kommen und eine Mauer bauen, die so hoch ist, dass kein Soldat mein Haus sieht; dann sind wir alle gerettet. Aber ich fürchte, es ist schon sehr spät; morgen werden die Soldaten hier sein und wir sind alle verloren.“

In dieser Nacht war es sehr still. – Doch in der stillsten Stunde war ein leiser Ton um Varenkas Haus. Varenka öffnete vorsichtig das Fenster und sah, dass Schnee fiel. So dicht war er schon gefallen, dass der Schnee bis zum Fenstersims reichte. Es schneite die ganze lange Nacht und im Morgengrauen war Varenkas kleines Haus ganz von Schnee bedeckt. Am Mittag zogen die Soldaten durch den Wald und suchten nach Feinden. In dem kleinen Haus saßen alle still beisammen. Als die Soldaten ganz nah beim Haus waren, gingen sie vorüber.
Sie hatten Varenkas kleines Haus nicht gesehen. Stjepan, Pjotr, Bodula und Varenka dankten Gott, dass er sie gerettet hatte. Die Soldaten aber zogen weiter und es gab keinen Krieg mehr in diesem Teil Russlands.

Was für eine Geschichte. Wir machen seit 2012 Stufen des Lebens Glaubenskurse hier bei uns in Bischofsheim. In diesem Jahr ist ein neuer Kurs erschienen. „Beten – Atemholen der Seele!“ Diese Geschichte wird in einer der Einheiten erzählt. Sie hat mich so tief berührt. Gerade jetzt! Gerade in diesem Jahr! Wie oft haben wir gebetet, gerungen, gekämpft und versucht, Gottes Handeln zu verstehen.

Wir können vonVarenka lernen, dran zu bleiben. Gott zu vertrauen, dass er handelt. Er handelt zur rechten Zeit. Er kennt kreative Lösungen, die wir in den Herausforderungen des Alltags oft nicht sehen können. Wir haben einen treuen Gott, einen lebendigen Gotte. Einen Gott der im hier und jetzt handelt. Genau das haben wir in diesem Jahr in vielfältiger Weise erlebt!

Anke Schroth

 

Entnommen aus dem Adventskalenderbuch 2020
© 2020 CVJM – Christliche Tagungsstätte HOHE RHÖN e.V.

 

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